, Walther Tabita

Ein Vorgeschmack auf das Jubiläumsjahr 2027

Im Jahr 2027 feiert die Basler Liedertafel ihr 175-jähriges Jubiläum. Zu diesem Anlass hat der Verein eine Auftragskomposition in Auftrag gegeben. Einen ersten Vorgeschmack gibt es schon jetzt im Interview mit dem Komponisten Beat Vögele.

Fotografin: Jette-Marie Schnell
 
Lieber Beat, in der Regel singen wir im Chor bestehende Werke. Die Auftragskomposition für das 175-Jahre-Jubiläum ist daher etwas Besonderes, auf das wir uns sehr freuen. Wie ist deine Komposition entstanden? 
 
Die Komposition habe ich aus Zeitgründen bereits im Frühjahr 2025 geschrieben. Es hat etwas gedauert, bis ich passende Texte fand: Gedichte von Elias Dahler. Den "Fund" habe ich einer guten Freundin zu verdanken, die Elias' Texte profund kennt und mit ihm persönlich bekannt war.
 
Elias' Gedichte berühren mich tief. Sie wurzeln in seiner Biographie (Elias hatte eine schwere zerebrale Bewegungslähmung; er ist mit knapp 30 Jahren verstorben), sind enorm stark und reif, blicken aus einem äusserst begrenzten Bewegungsraum in die Weite. Diesen Blick wollte ich ansatzweise mit meiner Musik fassen, ihn mitteilen.
 
Es war, als würden sich das Stück durch den Text selbst schreiben. Ich spürte von Anfang an eine enge Verzahnung von Gedichten und Musik. Nur der zweite Teil war schwierig zu fassen. Dafür brauchte es mehrere Anläufe. Darum habe ich eine besondere Beziehung zu diesem Teil. 
 
 
2027 steht die Erstaufführung im Stadtcasino bevor: Was wünschst du dir von unseren Sängerinnen und Sänger, wenn sie deine Komposition aufführen?
 
Wie vermutlich jede:r Komponist:in habe ich den Wunsch, dass bei den Ausführenden eine Identifikation stattfindet, ein zu eigen Machen. Dass beim Erarbeiten und Hören des Stücks eine kleine innere Reise gemacht werden kann, von der wir etwas gedankenvoller zurück kehren.
 
 
Du bist selbst Sänger, Chorleiter, Komponist und Querflötist. Was löst Musik in dir aus? Und was magst du besonders an Chormusik?
 
Wenn ich selbst auftrete, dann suche ich durch die Musik das unmittelbare Erlebnis, das absolute Jetzt, die oft genannte „Welle", auf der ich surfen möchte. Darum improvisiere ich so gerne. Im Chor ist für mich das Oszillieren zwischen Individuum und Gruppe faszinierend. Und, dass es mit wenigen Voraussetzungen möglich ist, direkt zusammen Musik zu machen und zu erleben - mit Aussicht, es gemeinsam auf eine Welle zu schaffen...