Männerchöre Zukunft - Basler Liedertafel

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Presse
 

Auszug aus CHORUS Nr. 6/2008 zum Schweizerischen Gesangfest 2008 in Weinfelden

Männerchöre haben wieder Zukunft

Am Schweizer Gesangfest in Weinfelden sangen erstaunlich viele Männerchöre "vorzüglich" und "sehr gut". Eine Trendwende zeichnet sich ab. Man darf wieder hoffen.

von Edwin Amacher

 


Ist es wie mit dem Waldsterben? Noch vor wenigen Jahren sprachen viele Kenner der Schweizer Chorszene vom unaufhaltsamen Sterben der Männerchöre. Nur eine Auswahl der besten würde überleben. Guter Männerchorgesang würde noch von einigen Chören mit einem grösseren Einzugsgebiet in regionalen Zentren gepflegt.Noch vor wenigen Jahren hätte man ihnen recht gegeben. Männerchöre hatten ein hohes Durchschnittsalter. Sie sangen das ewig gleiche Repertoire von "Heimat und Vaterland" und von "Wein, Weib und Gesang". Sie sträubten sich gegen Körperarbeit und Stimmbildung. Sie weigerten sich, bei Liedern, die sie seit Jahren zu singen pflegten, das Notenblatt aus der Hand zu legen. Fremdsprachen waren ihnen ein Gräuel. Mit der Forderung "Wir wollen singen!" machten sie den Dirigenten, die üben wollten, das Leben schwer. Wahrscheinlich gibt es diese Chöre noch immer. Nur waren sie wahrscheinlich nicht in Weinfelden.

 


 


Trendwende

Seit der Gründung der SCV stellen die Männerchöre die grösste Gruppe im Verband dar. Das spiegelt sich auch in der Teilnehmerliste des sgf08. Rund zehn Prozent der Chöre haben ein "Vorzüglich" erhalten, auch bei den Männerchören. Das lässt aufhorchen. Es hat sich eindeutig etwas getan! Das zeigt auch ein Blick in den Festführer. Die vorgetragenen Lieder sind vielfältiger und teils auch anspruchsvoller als beim letzten Schweizer Gesangfest 2000 im Wallis. Es wird in den verschiedensten Sprachen gesungen. Die Mehrheit der Chöre singt auswendig. Rainer Held schreibt das als Erfolg der konsequenten Arbeit der Musikkommission SCV zu, die er präsidiert. Die permanente Diskussion in den Aus- und Fortbildungskursen für Sänger, Dirigenten und Hilfsdirigenten trägt allmählich Früchte. Das Repertoire, das im Wettbewerb erklingt, ist eindeutig moderner und frischer geworden.
Allerdings treibt der Bajazzo beim Wettvortrag noch immer sein Unwesen. Da, wo der Schreibende ihn einmal zu Ohren bekam - im Bierzelt -, da gehört er auch hin. Ein Radiomann stand mit seinem Aufnahmegerät dabei und fing ein Stimmungsbild ein. Er sprach mich an mit der Frage, warum man an den Wettvorträgen immer weniger "gehörfällige" Lieder zu hören bekomme. Meiner Meinung nach, so antwortete ich ihm, habe die erwähnte Erneuerung des Liedguts eine Art qualitative Ausscheidung bewirkt. Auf dem Podium vor den Experten wird Anspruchsvolles erwartet, und das ist vielleicht nicht für jedermann auf Anhieb zugänglich. Am Stammtisch darf es hingegen volkstümlich tönen und man darf ruhig den einen oder andern Schmäh wie den Bajazzo von sich geben.


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