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Reveille-Chor

Reveille-Chor   -    Aktuell

Jahreskonzert des Reveille-Chors
vom Samstag, 21. Mai 2016  im Ackermannshof

Unsere Dirigentin Sarah Hänggi hatte sich für das Jahreskonzert einiges vorgenommen. Im akustisch einwandfreien, hellen und etwas altindustriell anmutenden Raum des Ackermannshofs ging es nach einer morgendlichen Probe um 17h zur Sache. Unter dem Thema TANZ, LIEBE, ABSCHIED sollten wir also anspruchsvolle Männerchorliteratur von Edvard Grieg, Jean Sibelius, Ralph Vaugan Williams, Selim Palmgren und Franz Schubert zum Besten geben. Dass das eine schwierige Sache werden würde, wussten wir, sobald wir mit dem Einüben begannen.  Zudem wurde die Sache durch den erstmaligen Konzerteinsatz von Solisten aus den eigenen Reihen erschwert.

Der Liederzyklus von Grieg zählt zu den kunstvollsten Werken für Männerchor acapella. Diese norwegischen Volksmelodien haben es in sich, nicht nur wegen der für uns komplett ungewohnten Sprache. Der von uns interpretierte traditionelle Volkstanz „Halling“ in der romantischen Klangsprache Griegs forderte uns und unseren Solisten Ruedi Kämpfer beim Timing bis zum Letzten.

Es folgte mit Selim Palmgren ein finnischer Komponist aus der Romantik. Er hat eine umfassende Anzahl an Männerchorliedern geschrieben und war Zeitgenosse von Jean Sibelius. Das von uns gesungene „Hiiden Orjen Laulu“ ist ein Gesang und Tanz der kleinen Gnome im Wald, welche für ihren Herrn, einen Troll, auf Goldsuche sind. Auch hier mussten wir uns verausgaben, um das Gelächter der Trolle auf die Reihe zu kriegen.

Mit „Har du mod“ von Jean Sibelius in stilreinem Schwedisch hatten wir bei den Proben lange mit der schwierigen Sprache zu kämpfen, dem Feedback aus dem zahlreich erschienen Publikum nach war das sogar am Konzert noch hörbar.

Es folgte das nicht minder anspruchsvolle „Seht den Knut“ von Edvard Grieg, welches wir jedoch ganz gut hinkriegten. Die Leute klatschten und für uns war das eine Wohltat, da auch hier das Timing nicht ganz einfach war.

Zum Glück waren „The Tunelanders“, ein Ensemble von fünf jungen Männern an Cembalo, Blockflöte, Gitarre, Violine und Cello, zur Stelle und übernahmen für eine kurze Verschnaufpause mit vier schwedischen Liedern, die allesamt zur Freude der Besucher musikalisch vorzüglich und professionell dargeboten wurden.
 
Das Thema TANZ war somit erledigt und es folgte die LIEBE mit einem Stück  zum Thema vom Franz Schubert. Der Text von Friederich Schiller ging uns wesentlich einfacher von den Lippen und die Singfreude kam wieder auf.

 
Wer sich zu früh gefreut hatte, dass es jetzt einfacher würde, bekam mit „Sydämeni Laula“ gewiss einen Dämpfer, da auch hier mit der Sprache und den trickigen Triolen ein paar Klippen zu umschiffen waren. Die Geschichte des Mannes im Wald, dessen Geliebte gestorben war und der sich vor lauter Liebe auch für den Tod entscheidet, wurde von den Zuhörern mit Applaus verdankt.

 
Das folgende „Schön Torö“, ein Lied von zwei Verliebten, die um die Huld Gottes beten, sollte sich als Knacknuss erweisen, denn mitten im Stück gerieten wir etwas auf die schiefe Bahn, die Intonation ging kurz flöten, aber wir umschifften das Problem für das Publikum fast unbemerkt mit Bravour. Unser Solist Werner Rothweiler meisterte seinen Part, soweit man ihn im allgemeinen Getümmel überhaupt heraushörte, ausgezeichnet.

 
Nun kamen wir mit Franz Schubert’s „Geist der Liebe“ wenigstens sprachlich wieder in heimischere Gewässer und konnten mindestens die erste Hälfte des Lieds etwas entspannen. Am Schluss dieses wunderschönen Gedichts von Friedrich von Matthison kamen wir wieder  etwas in Stricken und waren uns im Nachhinein einig, dass es bei den Proben jeweils besser gelaufen war.

 
Wieder erlösten uns „The Tunelanders“, diesmal mit schottischen und irischen Weisen, wunderbar interpretiert auf echt alten Instrumenten. Alle Mitglieder des Ensembles haben an der Scuola Cantorum Basiliensis studiert und man merkte, dass sie die Leidenschaft zur alten Musik und zur  Volksmusik zusammengeführt hat.

Dann bat uns unsere stets lächelnde Dirigentin Sarah Hänggi wieder auf die Bühne für das letzte Thema unseres Zyklus’: ABSCHIED, diesmal alles in Englisch. Da kam Hochstimmung auf, wir konnten uns mit dem Volkslied „Soldier’s Farewell“ voll in Szene setzen. Das Lied vom Mann, der in den Krieg ziehen und seine geliebte Frau verlassen muss, liess kein Auge trocken.

Getoppt wurde hier noch mit dem nachfolgenden „Loch Lomond“ von Ralph Vaughan Williams. Die Solisten meisterten ihren Part, wobei die Begleitung manchmal etwas unproportional laut war. Dennoch konnten wir das Lied von dem Mann, der seine von ihm gegangene Frau besang, ganz gefühlvoll zum Schluss bringen.

Zum Schluss folgte wiederum von R.V. Williams „The Turtle Dove“ mit drei Solisten, eine feine Ballade ebenfalls um einen Mann, der in den Krieg zieht und seiner Liebsten verspricht, dass seine Liebe immer da sein wird. Das Publikum verdankte dieses wiederum viel Gefühl transportierende Stück mit lautem Beifall, sodass nach einer kurzen Ehrung der Musiker und Dirigentin noch eine Zugabe her musste.

Mit „Good Night“, einem langsamen Walzer von Leo Wood, setzten wir den Schlusspunkt unter ein gelungenes Konzert. Der Reveille-Chor hatte seinem Renommé als Amateurchor alle Ehre gemacht.

Auch die ausgezeichneten Tunelanders, ein grossartiges, erst vor drei Jahren gegründetes Ensemble, verabschiedeten sich mit einer kurzen Einlage. Die über 100 Zuhörer/innen spendeten reichlich Applaus und auch die Kollekte wurde grosszügig bedacht.

Der nun anstehende Apéro hatte zur Folge, dass sich die Anspannung bei den Sängern sichtlich löste und angeregte Gespräche in Gang kamen. Der Fanclub des RC sowie einige Liedertäfeler, die zur Unterstützung erschienen waren, sparten nicht mit Lob, und manchmal hatte ich das Gefühl, es war sogar ehrlich gemeint !

Diese Beschreibung des Konzert wiederspiegelt meinen persönlichen Eindruck und es ist mir bewusst, dass es jeder Beteiligte anders erlebt hat. Es war ein erfüllender Abend und in den gekonnt von meiner lieben Ruth Buser erstellten Fotos sehe ich, dass wir alle gemeinsam etwas Bleibendes erschaffen hatten. Wenn ich mir etwas wünschen darf, dann wären es noch mehr auswendig gesungene Lieder und beim Gesangsvortrag ein entspanntes Lächeln in den Gesichtern unserer Sänger!

Urs Brunner




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